Humor in der Psychotherapie

Lachen ist gesund – das weiß eigentlich jeder. Aber in der Psychotherapie?

Ist in der Therapie Humor nicht fehl am Platz ? Sollte man hier nicht ernst „an die Sache“ heran gehen?

Aber Andersherum gefragt: Schließt denn humoriges Vorgehen Ernsthaftigkeit von vorne herein aus? Oder ist damit sogar die Seriosität automatisch in Frage zu stellen?

Ganz im Gegenteil!

Humor an den richtigen Stellen aktiv oder empathisch intuitiv eingesetzt kann so viel Positives bewirken.

Aber nun mal langsam:

Was ist eigentlich Humor? (laut Duden)

„Humor ist die Fähigkeit und die Bereitschaft (also das Können und das Wollen) auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren.“

Aha, nun wissen wir also, warum wir manchmal etwas zum schreien komisch finden und uns wegschmeißen vor lachen, ein andermal kaum die Mundwinkel nach oben bringen und eher mit den Augen rollen. Können und Wollen müssen  vorhanden sein. Humor hat also etwas mit „Aktivsein“ zu tun.

„Humor ist, so eine andere Definition, die sprachliche oder zum Beispiel künstlerische, von Humor bestimmte Gesinnung oder  Wesensart. „

So ist das also: Humor kann somit mit der „Muttermilch“ ein gesogen sein, das heißt von der Umgebung, die einen prägte. Daher ist beispielsweise der Kölner Humor ein anderer als der in Husum oder in München. Humor empfindet somit jeder anders.

Und was nutzt Humor in der Therapie?  

Humor in der Therapie aus emotionaler Sicht

  • Humor kann Hemmungen in Gesprächen lösen. Er hilft auch, verdeckte und für den Klienten verdrängte Affekte zu heben – die dann im Nachgang häufig mit herausbrechenden Tränen verbunden sind.  Humor und Weinen – manchmal liegt es ganz nah beieinander. Ein Lachen kann im Gespräch zwischen Therapeut und Klient menschliche Gefühle für die Situation herausarbeiten und beide auf gleiche Stufe stellen. Es wird gelacht – und geweint – das macht soooo menschlich.

Humor in der Therapie aus kognitiver (geistiger) Sicht

  • Kennen Sie das vielleicht auch? Man arbeitet verbissen an einer Sache, kommt nicht weiter, keine Lösung in Sicht. Nun sehen Sie etwas Komisches oder im Team wird etwas Komisches zum Besten gegeben. Sie müssen schmunzeln oder lachen – und plötzlich beginnen Sie zu entspannen und ….die Lösung erscheint vor Ihrem Auge. Auch in der Therapie kann dieses Phänomen beobachtet werden: Humor kann aktivieren, neue Zusammenhänge werden hergestellt oder Situationen neu, anders, moderater, entspannter verwertetet und interpretiert. Unser Gehirn beginnt, andere Knöpfe  zu drücken und somit das Denken in eine neue Richtung zu schieben, zu ver- rücken! Dem Humor sei Dank.

Humor in der Therapie aus kommunikativer Sicht

  •  Humor ist mit eine der besten Art und Weisen,  in Kontakt mit anderen zu kommen. Warum gibt es wohl den Klassenclown in der Schulklasse? Vielleicht weil er Kontakt und Aufmerksamkeit zu anderen Schülern oder Lehrern erhalten möchte? Vielleicht auch um deutlich zu machen: ich sehne mich nach etwas, dass ich derzeit nur in meiner Rolle als Klassenkasper ausfüllen kann.  Humor ist erfrischend und anregend und kann Menschen einfach zu einander führen. Eine positive Gesprächsatmosphäre wird geschaffen werden. Lachen signalisiert: ich komme in friedlicher Absicht. Tun wir es!

Humor als Übersetzer und Beschleuniger

  • Humorvolle Anmerkungen können Auslöser sein für ein „uppss“ beim Gegenüber, ein Innehalten und einen Perspektivenwechsel und im Nachgang möglicherweise eine Verhaltensveränderung. Sie kennen das auch! Sie haben so Ihre ganz besondere Marotte – nun macht sie jemand auf nette, liebevolle humorvolle Weise darauf aufmerksam. Sie sind gekränkt, lachen darüber und sind entspannt, beginnen gelöst darüber nachzudenken und erhalten so die Chance, etwas zu verändern – wenn Sie es mögen. Somit übersetzt Humor für Sie etwas, das nicht ohne Auslöser geändert werden konnte.

Humor in der Therapie – aber mit Bedacht

  • Humor in einem psychotherapeutischen Gespräch muss mit Bedacht und angemessen verwendet werden. Er darf nicht destruktiv, schädlich oder verletzend sein. Er soll zu einem angenehmen Therapiesetting beitragen, zu einer angenehmen Atmosphäre.
  • Humor sollte liebevoll eingesetzt werden weil das Gegenüber geachtet und respektiert wird.
  • Humor ist also nicht gleich Humor.

 

In diesem Sinne:

Humor ist so individuell wie es Menschen gibt, und dennoch gibt es Menschen, die den gleichen Humor haben – und das verbindet! Gehen Sie liebevoll humorvoll mit Ihren Mitmenschen um. Machen Sie daher so oft Sie können das sooo wunderbare Geschenk Humor. Und verschenken Sie es reichlich! Sie werden darüber die richtigen Menschen für sich treffen. GARANTIERT!

Nehmen Sie sich Zeit zum Lachen (auch ruhig mal über sich selber) – sonst haben Sie keine.

Ihre Susanne Lusiardi

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