Alles in Ordnung?

Ordnung ist das halbe Leben, Ordnung als Spiegel der Seele, Ordnung spart Dir Zeit und Müh` … Aber ist das wirklich so?

Wenn es Sie interessiert, warum uns Ordnung nicht immer weiter bringt, das oben Genannte nicht immer zutreffend ist und es sich lohnen kann, sich mit der Unordnung anzufreunden statt sie ständig zu bekämpfen, dann lesen Sie bitte weiter.

Ordnung gleich besserer Mensch?

Wissen Sie, dass 6 von 10 Menschen schlecht über einen Menschen denken, wenn dieser unordentlich oder unorganisiert ist? Ordnungsliebende Menschen werden durchweg positiver eingeschätzt als deren unordentliches Pendant. Aufgeräumt zu haben erscheint positiv.

Dagegen empfinden zweidrittel der Menschen Unbehagen bis hin zur Scham, wenn sie unordentlich und unorganisiert sind.

Nicht verwechseln: Ordnung und Aufräumen

Aber: Ist Aufräumen wirklich das gleiche wie Ordnung zu schaffen? Vermischen wir hier nicht zwei verschiedene Phänomene zu einem? Nicht selten räumen wir auf und unsere Probleme gleich mit – in Ordnung sind sie damit aber noch lange nicht.

Ordnung als zwingend zu erreichendes Ziel?

Sozialer Druck und Glaubenssätze, die wir seit Kindheit in uns tragen, beeinflussen unseren Wunsch nach Aufgeräumtheit und Ordnung. In der Werbung wird Aufgeräumtheit und Ordnung als zu erstrebenswertes Ziel proklamiert. Ordnungssysteme und Ordnungshilfen (auch menschlicher Natur von der Fee zur Büroorganisation bis hin zum Coach für den Kleiderschrank) boomen. Die andere Seite: seit unserer Kindheit haben wir gelernt, Ordnung zu halten, die Spielbox aufzuräumen, jeden Samstag das Zimmer aufzuräumen oder die Kleidung immer ordentlich zusammen zu legen. Das prägt.

Was spricht für Unordnung und Chaos?

Sicher, etwas überspitzt ist die Frage schon und es ist immer auch eine Frage der Perspektive. Aber was macht es mit den Menschen, die ständig versuchen gegen den inneren Drang der Unordnung (die ja für die betreffende Person Ordnung sein kann)  anzugehen und dafür Energie und Lebensfreude zu verlieren? Gibt es Punkte, die für  Unaufgeräumtheit, Unordnung und ein wenig Chaos sprechen könnte?

Sagen Sie Jaaaa zur Unordnung

  1. Unordnung macht kreativer – vielleicht weil hier Dinge zusammen gebracht werden, die sonst immer ordentlich  getrennt sind.
  2. Unordnung ist manchmal effizienter – vielleicht weil jeder von uns ein anderes inneres Ordnungssystem in sich trägt und die Anpassung an das vorgegebene Ordnungssystem viel mehr Zeit kostet anstatt zum Beispiel weiter Stapel zu bilden und diese dann in einem Rutsch ggf. zu entsorgen.
  3. Unordnung  kann ein Zeichen von Autonomie sein – eine starke Unabhängigkeit, die sich eben nicht an Konventionen oder Vorgaben messen lässt, die sich losgelöst hat von  „ich sollte/ich muss“ “ hin zu „ich brauche“.
  4. Unordnung  hilft beim Denken – denn  es scheint so, als würden wir damit ein Denkmuster mit abbilden, in dass wir uns schneller einfinden können, wenn diese vermeintliche Unordnung herrscht. Eine Frage: Was denken Sie, wenn Sie auf einen Menschen mit einem chaotischen Schreibtisch treffen? Sicherlich bezweifeln sie, ob dieser noch alles im Griff hat. Nun wissen wir, dass es so nicht ist. Was, so frage ich Sie, repräsentiert dann eigentlich ein leerer Schreibtisch? Leere? Langeweile?
  5. Unordnung zwingt uns aufzupassen und achtsamer zu sein – weil eben nicht alles an einem Platz ist, sondern gesucht und gefunden werden muss und umschauen nötig ist.

Alles Gründe für die Unordnung.

Ordnung einfach über Bord werfen?

Nein, auf keinen Fall.

Aber wer unter seiner ständigen Unordnung leidet, der sollte sich einmal kritisch hinterfragen was ihn wirklich dazu treibt, immer dagegen anzukämpfen. Warum die Unaufgeräumtheit nicht so belassen werden kann. Warum es so ist wie es ist.

Und uns „Ordentlichen“ möchte ich mit auf den Weg geben, nicht immer so schnell vom Äußeren auf das Innere zu schließen. Schließlich sind aufgeräumte Wohnungen nicht selten Fassade für eine vielleicht  innere Unordnung.

Gehen wir es locker an – stehen wir dazu, dass es verschiedene Ordnungstypen gibt.

In geordneter Unordnung

Ihre Susanne Lusiardi

Buchtipp:

Das perfekte Chaos. Warum unordentliche Menschen glücklicher und effizienter sind (Eric Abrahamson)

(Inhalte zusammengefasst aus Psychologie heute Februar 2017)

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